Mitarbeiter über 50
BITKOM Initiative 50plus: INFO AG setzt gezielt auf Erfahrung
Jede zweite deutsche Hightech-Firma sucht derzeit nach neuen Mitarbeitern. Um diese Lücke zu schließen, setzen immer mehr IT-Unternehmen verstärkt auf erfahrene Fachkräfte. Der Bundesverband BITKOM und die IG Metall haben dafür die „Initiative IT 50plus“ ins Leben gerufen. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem europäischen Sozialfonds geförderte Projekt will dem Personalmangel durch die gezielte Förderung älterer IT-Experten entgegensteuern.
„Bisher galt die IT-Branche als jung und dynamisch und hat sich deshalb häufig von älteren Fachkräften getrennt“, erklärt Martin Schmidt, Projektmanager für die „Initiative IT 50plus“ beim BITKOM. Aufgrund des demographischen Wandels und sinkender Absolventenzahlen ist es für die Unternehmen aber zunehmend schwierig, neue Fachkräfte zu rekrutieren. „Immer mehr Führungsetagen bemerken deshalb, dass sie in Zukunft bewusst auf das Potenzial erfahrener Mitarbeiter setzen sollten“, so Schmidt.
- Sich selbständig weiterqualifizieren.
- Immer auf den neuesten Stand bringen: Methoden und Werkzeuge erlernen, die in der Branche aktuell sind.
- Dabei auch innovative Wege wählen (z.B. E-Learning).
- Neben fachlichem Know-how ebenfalls Soft-Skills ausbauen.
- Überfachliche Kompetenzen durch entsprechende Seminare steigern.
- Weiterbildungen immer mit Zertifikaten belegen.
- Sich offen zeigen für neue Technik und neue Aufgaben.
Projekt wird in vier Unternehmen erprobt
In verschiedenen Pilotprojekten erprobt der BITKOM gemeinsam mit Forschungs- und Beratungsunternehmen, die gezielte Weiterentwicklung älterer IT-Fachkräfte umzusetzen. Daran beteiligt sind vier deutsche Unternehmen – neben Siemens CIT, DATEV eG und VR Netze GmbH gehört dazu die INFO AG. Der norddeutsche IT-Dienstleister plant für dieses Jahr 100 Neueinstellungen und setzt dabei speziell auf erfahrene Persönlichkeiten. Einer von ihnen ist Hans-Jürgen Hochfeld. Bedingt durch eine Betriebsschließung seines vorherigen Arbeitgebers war der 55-Jährige gezwungen, noch mal auf Jobsuche zu gehen. Keine leichte Aufgabe, denn auf seine Bewerbungen folgten zunächst nur Absagen. Dann kam die Zusage von der INFO AG, bei der er nun seit einem halben Jahr als SAP Senior Consultant arbeitet.
Den jüngeren Mitarbeitern fühlt sich Hochfeld im Arbeitsalltag keinesfalls unterlegen. Im Gegenteil: Sie profitieren häufig von seinem Erfahrungsschatz. „Jüngere Kollegen haben zwar oftmals ein hervorragendes theoretisches Rüstzeug, aber weniger praktische Erfahrung. Ich konnte ihnen schon oft pragmatische Lösungen vermitteln“, so der IT-Experte. Sich auf neue Techniken und Funktionen einzustellen, bereitet ihm keine Schwierigkeiten. Das gehörte für Hochfeld von Anfang an zu seinem Berufsalltag dazu. Ältere Fachkräfte sind daher für IT-Unternehmen besonders wertvoll.
Auf Bedürfnisse älterer Lerner eingehen
Die Arbeitskraft erfahrener Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten und die älteren Kollegen stetig weiterzuqualifizieren, erfordert dabei auf die speziellen Bedürfnisse ausgerichtete Qualifizierungskonzepte. „IT-Unternehmen bemerken zunehmend, dass sie Konzepte benötigen, wie sie mit immer älter werdenden Belegschaften umgehen. Denn die heute 50-Jährigen haben mindestens noch 15 Jahre Berufstätigkeit vor sich. Die würden verschenkt, wenn man nicht in die Mitarbeiter investiert“, betont Schmidt vom BITKOM. „Die Betriebe sollten daher beispielsweise die körperliche und geistige Fitness und die Führungskompetenzen ihrer Fachkräfte fördern. Den erfahrenen Mitarbeitern wird dadurch natürlich auch Wertschätzung entgegengebracht“, so Schmidt.
Bei den Pilotprojekten der „Initiative IT 50plus“ werden zur individuellen Förderung älterer Fachkräfte in den beteiligten Unternehmen regelmäßig Workshops durchgeführt. Ute Büchele von der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung – GAB München moderiert beispielsweise die „Kollegiale Beratung“, bei der die erfahrenen Mitarbeiter miteinander und voneinander lernen. Die Teilnehmer erarbeiten sich dafür mit Unterstützung von Büchele und der Personalentwicklung der INFO AG persönliche Entwicklungsziele, die langfristig angesteuert werden sollen. „Die Fachkräfte konzentrieren sich dabei jeweils auf Aufgaben, die in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich wichtig sind und wenden das Erlernte dann direkt praktisch an. Ihnen wird also kein pauschales Wissen vermittelt, das sie eigentlich gar nicht brauchen“, erklärt die Beraterin. Axel Fischer, Gruppenleiter SAP Basis bei der INFO AG, nimmt an dem Förderprogramm teil und hat sich zwei Ziele gesetzt: Er will einen jüngeren Kollegen coachen und außerdem seine Präsentationstechniken weiterentwickeln.
Alle acht Wochen treffen sich die Teilnehmer und erörtern in einem Gruppengespräch, wie der aktuelle Entwicklungsstand aussieht. „Jeder Kollege erzählt, wo er momentan steht und welche Probleme es gibt. Das wird dann in der Gruppe diskutiert. Die Kollegen stellen Fragen und geben Tipps, wie der Mitarbeiter seine Baustellen angehen kann“, so Büchele von der GAB München. Die Teilnehmer lernen dadurch, ihre Arbeit zu reflektieren, eine neue Perspektive einzunehmen und Hürden des Alltags zu meistern. Hinzu kommen regelmäßige Reflexionsgespräche unter vier Augen mit dem Coach. Eine erste Evaluation zeigte, dass die Teilnehmer dieses Kurskonzept für gut befinden. Der 50-jährige Axel Fischer nahm beispielsweise bereits viel für sich mit. „Ich weiß jetzt, was ich alles beachten muss, wenn ich einen jungen Kollegen anlernen will“, sagt er. Als nächstes will Fischer seine Präsentationsfähigkeiten in Angriff nehmen.
Generation der über 50-Jährigen nimmt in IT-Branche Fahrt auf
Die „Initiative IT 50plus“ steht momentan zwar noch mitten in der Erprobungsphase neuer Konzepte für die Entwicklung erfahrener IT Fachkräfte, doch nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Initiatoren bewerten das Projekt positiv. „Ein Erfolg ist für uns alleine schon, dass sich Unternehmen gefunden haben, die die Weiterentwicklung älterer IT-Fachkräfte bereits als wichtiges Thema ansehen“, so Schmidt vom BITKOM. Ziel ist es nun, die Branche weiter dafür zu sensibilisieren und Konzepte bereitzustellen, damit die Unternehmen entsprechende Maßnahmen umsetzen können. INFO AG-Vorstandsmitglied Thomas Stoek glaubt vielmehr, dass die Firmen in Zukunft um die Förderung älterer Mitarbeiter kaum herumkommen werden. „Wer dem Personalmangel entgegensteuern will, kann es sich in Zukunft gar nicht mehr leisten, Fachkräfte über 50 zu ignorieren. Diese über viele Jahre gesammelten Erfahrungen sind insbesondere im Projektgeschäft von hoher Bedeutung“, sagt Stoek, Vorstandsmitglied der INFO AG.
